Striche

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Inhaltsverzeichnis

Striche

Es wurde darauf geachtet, dass nur Text gestrichen wurde, der auch im Urtext vorhanden war.

1. Teil, Prolog, Priester

Das Volk ist in einer Notsituation, der Priester sollte das auch ohne viel Herumgerede so ausdrücken. Ansonsten nehmen wir uns in dieser Szene auch zu sehr den Wind aus den Segeln.

Hier der Vorschlag für Striche (zu Streichendes erscheint so wie hier dargestellt):

DER PRIESTER

Mein König!
Du siehst uns hier versammelt
Am Altar deines Hauses, Bürger jeden Alters. Ich, des Zeus Diener habe Jungen ausgewählt, die mich begleiten! Wie wir, geschmückt mit Zweigen, sitzt das Volk rings um den Markt und um die beiden Tempel der Athene. Sie hoffen auf eine Weissagung des Sehers Ismenos. Denn wie ein Schiff auf hoher See, schwankt diese Stadt im Sturm, und droht im Blutbad zu versinken.
Die Ernte ist dahin, die Tiere sterben und kein Kind erblickt mehr das Licht der Welt. Die Pest leert die Häuser, füllt die Gräber an. Der Hades, Reich der Schatten, er füllt sich mit den Seelen der Sprösslinge des Kadmos!
Vermessen wäre es, dich einen Gott zu nennen,
Doch im Umgang mit den göttlichen Mächten, und auf Erden triffst du – oh König – die Entscheidung, was zu tun ist.
In schweren Zeiten hast du dich bewiesen,
und uns von der Tyrannei der Sphinx erlöst, die über unsre Stadt Angst und Verderben brachte.
Ohne unseren Ratschlag, allein durch das Wirken eines Gottes, hast du uns gerettet.
Jetzt aber, König Ödipus, mächtigster Mann im Lande, flehen wir dich demütig an,
uns erneut zu schützen.
Ob du dem Rat von Göttern oder Menschen folgst, ist uns gleich. Denn ich weiß, ein Erfahrener, wie du es bist, kann in schlimmen Zeiten den klugen Rat in segensreiche Tat verwandeln.
Wohlan, der Menschen Bester!
Richte die Stadt wieder auf, wohlan, bedenke: Noch nennt das Land dich den Retter, für deine früheren Taten.
Dass du nicht in Erinnerung uns bleiben magst, als Herrscher der die Stadt erst rettete und sie dann fallen ließ. Mit Festigkeit errichte neu die Stadt auf deinen Schultern!
Sieh, willst du Herrscher bleiben hier im Land, was nützt es dir, wenn keine Menschen darin wohnen. Denn stolze Burgen wie große Schiffe, verlieren ihre Pracht, wenn kein Mann sie mit Leben füllt.

ÖDIPUS

Ihr armen Kinder! Wohlbekannt ist mir euer Begehren. Denn ich weiß es wohl,
All seid ihr krank, doch keiner unter euch leidet so wie ich. Denn jedes eurer Leiden betrifft nur euch und keinen Menschen sonst. Doch meine Seele klagt um die Stadt , um mich und dich zugleich. So weckt mich eure Ankunft nicht aus tiefem Schlaf – Ich war nicht tatenlos. Nein, ich habe viel geweint und bin umhergeirrt in großer Sorge.
Was lange Überlegungen endlich hervorgebracht, das habe ich umgesetzt.
Den Sohn des Menökeus, Kreon, meinen Schwager,
Sandte ich nach Delphi, zu Apollons heiliger Stätte, damit er vom Orakel erfahren möge, was ich tun, was sagen soll, um diese Stadt zu retten.
Doch sorge ich mich, denn viel Zeit verstrich, seitdem er loszog.
Doch wenn er kommt, wäre ich schlecht, tät ich alsdann nicht alles, was von Apollon er uns offenbart.

DER PRIESTER

Allein, aufs Schönste fügt sich das! Ein Wort des Trostes sprachst du und eben sagen diese da mir Kreons Ankunft an.

ÖDIPUS

O Apollon! Auf dass mit freudestrahlenden Augen er alles segensreich zum Guten wende!

DER PRIESTER

Er scheint jedoch vergnügt; er käme sonst nicht
So reich geschmückt mit Lorbeer.

[…]

DER PRIESTER

O Kinder! stehn wir auf. Denn darum kamen wir hieher, zu hören was uns nun verheißen wurde.
Und mög Apollon, der den Gottesspruch gesandt hat, als Retter kommen und das Leiden heilen.

Folgendermaßen sieht also der neue Textvorschlag aus:

DER PRIESTER
Mein König!
Du siehst uns hier versammelt,
denn wie ein Schiff auf hoher See, schwankt diese Stadt im Sturm, und droht im Blutbad zu versinken.
Die Ernte ist dahin, die Tiere sterben und kein Kind erblickt mehr das Licht der Welt.
Vermessen wäre es, dich einen Gott zu nennen,
doch im Umgang mit den göttlichen Mächten, und auf Erden triffst du die Entscheidung, was zu tun ist.
In schweren Zeiten hast du dich bewiesen,
und uns von der Tyrannei der Sphinx erlöst, die über unsre Stadt Angst und Verderben brachte.
Ohne unseren Ratschlag, allein durch das Wirken eines Gottes, hast du uns gerettet.
Jetzt aber, König Ödipus, flehen wir dich demütig an,
uns erneut zu schützen.
Ob du dem Rat von Göttern oder Menschen folgst, ist uns gleich.
Richte die Stadt wieder auf, bedenke: Noch nennt das Land dich den Retter, für deine früheren Taten.

ÖDIPUS
Ihr armen Kinder! Wohlbekannt ist mir euer Begehren. Denn ich weiß es wohl,
All seid ihr krank, doch keiner unter euch leidet so wie ich. Denn jedes eurer Leiden betrifft nur euch und keinen Menschen sonst. Doch meine Seele klagt um die Stadt , um mich und dich zugleich. So weckt mich eure Ankunft nicht aus tiefem Schlaf – Ich war nicht tatenlos. Nein, ich habe viel geweint und bin umhergeirrt in großer Sorge.
Was lange Überlegungen endlich hervorgebracht, das habe ich umgesetzt.
Den Sohn des Menökeus, Kreon, meinen Schwager,
Sandte ich nach Delphi, zu Apollons heiliger Stätte, damit er vom Orakel erfahren möge, was ich tun, was sagen soll, um diese Stadt zu retten.
Doch sorge ich mich, denn viel Zeit verstrich, seitdem er loszog.
Doch wenn er kommt, wäre ich schlecht, tät ich alsdann nicht alles, was von Apollon er uns offenbart.

DER PRIESTER
Ein Wort des Trostes sprachst du und eben sagen diese da mir Kreons Ankunft an.

ÖDIPUS
O Apollon! Auf dass mit freudestrahlenden Augen er alles segensreich zum Guten wende!

DER PRIESTER
Er scheint vergnügt; er käme sonst nicht
so reich geschmückt mit Lorbeer.

1. Teil, 2. Szene, Kreon

Besserer Schlussatz des Monologs

KREON
[...]
Um meine Worte nachzuprüfen, gehe selbst nach Delphi und frage dort ob ich die Prophezeiung des Orakels richtig wiedergab.
Wenn du aber herausfindest, dass ich mit der Seherin gemeinsam Ränke schmiedete, dann sollst du zweifach, nicht nur aus deinem, sondern auch aus meinem Wunsch, mich töten.
Doch verklage mich nicht aus einer dunklen Ahnung heraus!
Ungerecht ist es, den Bösewicht für ehrenhaft zu halten, oder auch den Vortrefflichen für schlimm. Und wer einen guten Freund verstößt, verstößt – wie ich meine – einen Teil des eigenen Lebens, das man ja doch am meisten schätzt.
Eines Tages, wirst du dies sicherlich verstehen, weil sich mit der Zeit der gute Mann bewährt. Um dagegen einen Schlimmen zu erkennen reicht ein einziger Tag.

TIRESIA
(aus dem Chor)
Schön sprach er, es möge daraus Glück entstehen.
Wer die Entscheidung kurzentschlossen fällt, gefährdet sich selbst.


1. Teil, 5. Szene, Ödipus, Chor und Kreon

Knackigere, weniger langatmige 5. Szene.

[...]

BOTIN DES LAIOS
Er schreit, man soll die Tore öffnen, damit man ihn dem ganzen Volk der Stadt offenbare – als Vatermörder und der, der die Mutter – hier spricht er etwas Unheiliges, das ich nicht sagen darf. Sich selbst verbannen will er aus dem Lande, will so durch den eigenen früheren Fluch verflucht nicht mehr in seinem Hause wohnen.
Der Stärke nun und einem, der ihn führt,
Bedarf er, denn zu groß ist, seine Krankheit, dass er sie ertragen könnte.
Er wird dir das auch selber zeigen, die Riegel dieses Tores öffnen sich und einen Anblick wirst du vielleicht sehn, dass sich sogar ein Feind erbarmen muss.

CHOR
O schrecklich zu sehen ein Schmerz für Menschen,
O schrecklichster von allen, die ich schon getroffen habe. Welcher Wahnsinn, o Armer!
Hat dich ergriffen? Welcher tobende Gott lässt dir dieses größte aller Schicksale aufs Haupt fallen?

Ach! ach! du Armer, ansehn kann
Ich dich nicht, vieles will ich sagen,
Viel dir raten, viel erwägen,
Solch einen Schauder weckst du in mir.

ÖDIPUS
(tritt auf, wütend)
Weh! Weh! Weh! Weh!
Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Das darf nicht wahr sein! Nein, nein, nein!
Ach! ich Unglücklicher! Wohin auf Erden führt mich jetzt mein Weg? Wer empfängt noch meine Worte? Io! Dämon! wo stürmet mein Schicksal?
Io! Dämon! wo reißest du mich hin?

CHOR
(PRIESTER; TIRESIA/BOTE/BOTIN; ALLE)
In Gewaltiges, Unerhörtes, nie Gesehenes!

ÖDIPUS
(traurig, zusammengesunken)
Io! Nachtwolke, Dunkel das mich umgibt! Du furchtbares, unaussprechlich, unbezähmt, unüberwältigt! o mir! o mir!
Schmerzvoll überkommt mich dieses Unglück und die Erinnerung. Ich schneide mir die Pulsadern auf.

CHOR
Es ist in solch einem Unglück kein Wunder, dass du zweifach jammerst, zweifach Übel beweinst!

ÖDIPUS
(suchend, verwirrt, seltsam beschwingt)
Io, Lieber, Einziger der mir noch bleibt, mein Begleiter!
Denn jetzt noch stehst du zu mir, umsorgst den blinden Mann. Ach! Ach!
Denn nicht verborgen bist du mir,
obgleich im Dunkeln ich wandele, kenne ich deine Stimme.

CHOR
O der du tatst Gewaltiges! wie konntest du
Dein Augenlicht so schänden, welcher Dämon trieb dich dazu?

ÖDIPUS
(pampig, anschuldigend)
Apollon wars, Apollon, o ihr Lieben, der blöde blöde Apollon wars.
Der dieses Leid an mir bewirkte. Ich tat es aber selbst, ich Armer! Kein Anderer hat Hand an mich gelegt. Denn was nützt mir mein Augenlicht, wenn es für mich nichts Schönes mehr zu sehen gibt!

CHOR
Es war genau so, wie du sprichst.

ÖDIPUS
(resigniert, leise)
Was hab ich noch zu sehen und zu lieben,
Was Freundliches zu hören? ihr Lieben!
Führt mich geschwind aus dieser Stadt,
Schritt vor Schritt den eitlen Mann, mich Unwürdigen, den Verfluchtesten und den von allen Menschen die Götter am meisten hassen!

CHOR
Du selbstverschuldet und durch Fluch unglücklich gewordener, ich wünschte, dass ich niemals dich gekannt.


ÖDIPUS
(auf dem Boden liegend)
Verflucht sei, wer es war,
der mir einst die Füße löste und mich im rauhen Tal vom Tode rettete.
Nicht dankbar war diese Tat!
Denn wäre ich damals gestorben, hätte ich niemals solchen Kummer über meine Liebsten und über mich selbst gebracht!

CHOR
Das wäre auch mein Wunsch!

ÖDIPUS
(rational, stolz, in den „Spiegel“ sehend)
Ich hätt an meinem eignen Vater keinen Mord verübt, noch wäre ich der Bräutigam geworden, von der, die mich zur Welt gebracht hat.
Jetzt aber bin ich gottverlassen. Der Sohn unreiner Eltern und eines Geschlechts mit denen, wo ich selbst herstammte, ich Armer. Gäb es ein Übel, über allen Übeln, Empfing es Ödipus.

CHOR
Ich kann nicht sagen, dass du gut beraten warst,
Denn besser wärs, du lebtest nicht, als blind.

ÖDIPUS
Da dies auch nicht zum Besten dienen sollte,
So unterweise du mich nicht und erteile keinen ach so klugen Rat. Denn wenn ich einst herabsteige ins Haus des Hades, wüsst ich nicht, wie ich den Vater ansehn sollte, Und auch die arme Mutter. Für das, was ich den beiden grausam angetan hab, verdiene ich noch Schlimmers als gehängt zu werden!
Der Kinder Angesicht war lieb mir anzusehen, zu schauen wie sie aufgewachsen. Das soll ich nie mehr sehen! Und meine alten Augen
sollen Stadt und Turm, und Götterbilder nicht mehr schauen, die heiligen, worum ich armer Mann, der groß in Theben lebte, mich selbst gebracht hab!
Denn selber sagte ich dem Volk, den Frevler auszustoßen,
Der durch der Götter Spruch als unheilig erkannt wurde, selbst wenn er zur Verwandtschaft unseres Königs zählt.
Da meinen Schimpf ich also selber kundgetan,
Sollt ich mit graden Augen dieses sehn?
Mitnichten. Und
gäbe für die Laute, die durch die Ohren dringen es ein Schloss, ich hielt es nicht zurück, um meinen armen Leib damit vollends zu verschließen, Dass blind ich wär und taub.
Denn süß ist es, wo Denken abgeschieden ist von allen Übeln.
Io! Kithäron! Warum hast du mich aufgenommen? Und hast mich nicht sofort getötet, damit ich Menschen nie verraten hätte, wer ich bin?
O Polybos in Korinth, ihr väterlichen,
Ihr altgerühmten Häuser, wie konntet ihr mich nur so schön erziehen, vor Übeln wohlverborgen?
Jetzt werd als schlecht ich angesehen, als Sohn der Schlechten!

O ihr drei Wege! Du verborgner Hain,
Du Wald und Winkel an der Gabelung, wo
Von meinen Händen ihr mein Blut, des Vaters Blut, getrunken, habt, gedenkt ihr meiner? Was ich getan hab, als ich bei euch war und dann, als ich hierher kam, was ich dann tat?

Oh, Ehe, Ehe!
Du hast mich hervorgebracht. Und da du mich hervorgebracht, so ließest du denselben Samen nochmals aufgehen, und zeugtest Väter, Brüder, Kinder, von einem Stamm, verwandtes Blut, bei Jungfraun, Weibern, Müttern, und soviel Schande noch entstehe unter Menschen.
Doch niemals spricht man aus, was auch zu tun als unschön gilt.
So schnell wie möglich, bei den Göttern, begrabt mich draußen irgendwo, tötet oder werft
Ins Meer mich, wo ihr mich nie mehr seht.
Kommt! Scheut nicht zurück, den Unheiligen zu berühren. Folget mir! Habt keine Furcht! Denn mein Leid ist so gemacht, dass außer mir kein anderer Mensch es tragen kann.

CHOR
(geht nach vorne, nach links und rechts; Ödipus dabei nach hinten)
Für deinen Wunsch ist eben Kreon da,
Zu handeln und dein Urteil auszusprechen. Denn er ist allein, statt dir, als Landes Herrscher übrig.

Front zu.

ÖDIPUS
O mir! Wie sprech ich diesen an?
Welch Recht auf sein Vertrauen hätt ich noch?
Nachdem sich zeigte, dass ich ja im Unrecht war, in Allem was ich gegenüber ihm gesagt habe?

KREON
Nicht als ein Spötter komme ich, Ödipus,
Noch um über das zu sprechen, was ich einst von dir erlitt.
Auch wenn ihr euch nicht schämt euch Sterblichen zu zeigen, so ehrt doch die lebensspendende Sonne, Zeichen des Gottes Helios!
So ein Unheil, dass weder der Erde, noch heiligen Regen noch dem Licht gefällt, darf man nicht unbedeckt zeigen.
Führt ihn deshalb geschwind hinein ins Haus,
Denn nur bei Verwandten ziemt es sich, des eigenen Stammes Übel zu sehen und zu hören.

ÖDIPUS
Bei Göttern! da du mir die Angst genommen,
Du, Bester, bist zum Schlechtesten gekommen,
Gewähre mir noch eins, zu deinem, nicht zu meinem Heil.

KREON
Was ist dein Wunsch, worum bittest du so sehr?

ÖDIPUS
Wirf aus dem Lande mich, so schnell du kannst,
Wo ich mit Menschen nicht mehr reden kann.

KREON
Schon wärs geschehn, glaube mir, wenn ich nicht erst vom Gott erfahren wollte, was am Besten zu tun sei.

ÖDIPUS
Doch kennen wir sein Wort schon längst,
er will des Vatermörders, will des Frevlers Tod!

KREON
So lautete sein Spruch. Doch in diesem Falle, ist es besser nochmal zu hören, was zu tun sei.

ÖDIPUS
So wollt ihr um den schon verlornen Mann noch forschen?

KREON
Du wirst doch wohl dem Gott jetzt dein Vertrauen schenken?

ÖDIPUS
So schreib ich es dir vor und bitte dich,
Bestatte diese, in dem Haus, und schaffe ihr ein Grab, so wie du willst. Denn du wirst Recht vollbringen an der Schwester.
Jedoch mich lebend zu empfangen, die Mühe sei der väterlichen Stadt nicht angetan!
Sondern lass mich auf den Bergen wohnen, in Kithäron, den die Eltern mir zum Grabmal auserkoren, zu Lebzeit noch, dass ich durch diese sterben sollte, die Fluch über mich brachten!
Doch weiß ich wohl, dass keine Krankheit mich verderben wird und nichts sonst mich zerstören; vom Tode nicht errettet, sondern für schweres Leid ausgesehen, soll mein Schicksal mich führen, wohin es mag.
Für sie, die Kinder, für die männlichen,
sorge, Kreon, nicht für mich. Sie sind Männer. Trag Sorge, dass sie niemals Mangel haben werden, wo immer sie im Leben sind.
Doch meine armen, mitleidwürdigen Töchter, die niemals an gedeckten Tisch sich setzten, ohne dass ich bei ihnen war. Nein, von den Dingen, die ich selbst berührte, hatten sie gleichen Anteil, stets.
Nimm du dich allzeit ihnen an.
Und erlaube mir, sie mit den Händen zu berühren und das Unglück zu beweinen.
Geh, o mein König!
Geh, du aus edlem Stamm! Halt ich sie im Arm,
wird es wohl sein, als hielt ich sie, wie damals, als ich sehend war.
Was sag ich?
Hör ich, bei allen Göttern, nicht die Lieben, und wie sie um mich weinen? Erbarmend schickt
Kreon sie zu mir, die liebsten meiner Kinder.
Hab ich nicht recht?

KREON
Das hast du, und ich bringe sie zu dir.
Ich weiß, sie waren immer deine größte Freude.

ÖDIPUS
Gesegnet seiest du, und auf diesem Weg
mag dich ein Gott bewahren, besser als er mich bewahrte.
O Kinder, wo seid ihr? kommt hierher, kommt
Zu meinen brüderlichen Händen, die euch aufgezogen, sodass ihr eurem Vater eine Augenweide wart, als er noch sehen konnte.
Der Vater, der, nichts ahnend und unwissend Vater wurde, an dem Leib, dem selber er entstammt.

Beweinen muss ich euch, kann ich euch auch nicht ansehn, wenn ich eures bittren Lebens Rest gedenk, Und welche Schmach ihr von den Menschen werdet leiden müssen.
In welchen Kreisen lassen euch die Bürger zu?
Zu welcher Feier, wo ihr weinend nicht
Nach Hause geht, statt mit den Festtagsreihen?
Doch wenn ihr nun zum Gipfel kommt der Hochzeit, wer wird es sein? Wer nimmt die Schmähungen auf sich, die so wie über meine Eltern auch über euch kommen?
Denn welches Übel kam nicht über euch? Euren Großvater ermordete der Vater, die Mutter pflügte er, von der er selbst gesät war.
Und mit derselben zeugte er euch, von der er selber stammte. So wird man euch beschimpfen.
Und so, wer mag um eure Hand anhalten? keiner wird es tun!
Ihr Kinder, sondern
ihr werdet jungfräulich vergehen und ohne Hochzeit.
O Kreon, Sohn Menökeus! Aber, da du allein
Als Vater ihnen übrig bist, denn wir, das Paar, das sie gezeugt hat, sind vergangen,
Verachte du nicht diese armen, die deinem Stamm so nah verwandt sind, lass sie nicht irren männerlos. Und lass sie nicht das gleiche Leid erfahren, das mich traf. Nein, hab Erbarmen, wenn du sie, die noch so jung sind, ansiehst.
Sie sind gänzlich verlassen, es liegt an dir!
Versprich es, Edler! reich mir deine Hand!
Euch Kindern, wollte ich so viel noch sagen, wenn euer Verstand es schon begreifen könnte. Jetzt betet, und ich bete das für euch, das ihr sollt leben, wo immer ihr seid doch das dies Leben, eures, freudiger sei, als jenes, als das des Vaters, welcher euch gezeugt hat.

KREON
Genug! Wozu bringt dich der Schmerz sonst noch?
Gehe nun hinein ins Haus!

ÖDIPUS
Folgen muss man dem Herrscher, wenn es auch keine Freude bringt.

KREON
Alles ist gut, zur rechten Zeit.

ÖDIPUS
Weißt du, was ich nun will?

KREON
Sprich es aus, dann weiß ich es.

ÖDIPUS
Sende mich fort aus der Heimat.

KREON
Das hängt vom Wort des Gottes ab.

ÖDIPUS
Doch bin ich verhasst den Göttern.

KREON
Darum erfüllt sich dein Wunsch sicher bald.

ÖDIPUS
Rufst du es jetzt wohl aus?

KREON
Was ich nicht denke, spreche ich niemals blindlings aus.

ÖDIPUS
Nun, so führe mich hinweg.

KREON
Nun gut, geh! Nur lass die Kinder hier!

ÖDIPUS
Nimmermehr entreißest du mir diese!

KREON
Maße dir nicht alles an,
Was dir im Leben Glück gebracht, sollst du im Tod erst wiedersehen.

So sieht der neue Text aus:

BOTIN DES LAIOS
Er schreit, man soll die Tore öffnen, damit man ihn dem ganzen Volk der Stadt offenbare – als Vatermörder und der, der die Mutter – hier spricht er etwas Unheiliges, das ich nicht sagen darf. Sich selbst verbannen will er aus dem Lande, will so durch den eigenen früheren Fluch verflucht nicht mehr in seinem Hause wohnen.
Der Stärke nun und einem, der ihn führt,
Bedarf er, denn zu groß ist, seine Krankheit, dass er sie ertragen könnte.
Er wird dir das auch selber zeigen, die Riegel dieses Tores öffnen sich und einen Anblick wirst du vielleicht sehn, dass sich sogar ein Feind erbarmen muss.

CHOR
Ach! ach! du Armer, ansehn kann
Ich dich nicht, vieles will ich sagen,
Viel dir raten, viel erwägen,
Solch einen Schauder weckst du in mir.

ÖDIPUS
(tritt auf, wütend)
Weh! Weh! Weh! Weh!
Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Das darf nicht wahr sein! Nein, nein, nein!
Ach! ich Unglücklicher! Wohin auf Erden führt mich jetzt mein Weg? Wer empfängt noch meine Worte? Io! Dämon! wo stürmet mein Schicksal?
Io! Dämon! wo reißest du mich hin?

CHOR
(PRIESTER; TIRESIA/BOTE/BOTIN; ALLE)
In Gewaltiges, Unerhörtes, nie Gesehenes!

ÖDIPUS
(traurig, zusammengesunken)
Io! Nachtwolke, Dunkel das mich umgibt! Du furchtbares, unaussprechlich, unbezähmt, unüberwältigt! o mir! o mir!
Schmerzvoll überkommt mich dieses Unglück und die Erinnerung. Ich schneide mir die Pulsadern auf.

CHOR
Es ist in solch einem Unglück kein Wunder, dass du zweifach jammerst, zweifach Übel beweinst!

ÖDIPUS
(suchend, verwirrt, seltsam beschwingt)
Io, Lieber, Einziger der mir noch bleibt, mein Begleiter!
Denn jetzt noch stehst du zu mir, umsorgst den blinden Mann. Ach! Ach!
Denn nicht verborgen bist du mir,
obgleich im Dunkeln ich wandele, kenne ich deine Stimme.

CHOR
O der du tatst Gewaltiges! wie konntest du
Dein Augenlicht so schänden, welcher Dämon trieb dich dazu?

ÖDIPUS
(pampig, anschuldigend)
Apollon wars, Apollon, o ihr Lieben, der blöde blöde Apollon wars.
Der dieses Leid an mir bewirkte. Ich tat es aber selbst, ich Armer! Kein Anderer hat Hand an mich gelegt. Denn was nützt mir mein Augenlicht, wenn es für mich nichts Schönes mehr zu sehen gibt!

CHOR
Es war genau so, wie du sprichst.

ÖDIPUS
(resigniert, leise)
Was hab ich noch zu sehen und zu lieben,
Was Freundliches zu hören? ihr Lieben!
Führt mich geschwind aus dieser Stadt,
Schritt vor Schritt den eitlen Mann, mich Unwürdigen, den Verfluchtesten und den von allen Menschen die Götter am meisten hassen!

CHOR
Du selbstverschuldet und durch Fluch unglücklich gewordener, ich wünschte, dass ich niemals dich gekannt.
Denn besser wärs, du lebtest nicht, als blind.

ÖDIPUS
Da dies auch nicht zum Besten dienen sollte,
So unterweise du mich nicht und erteile keinen ach so klugen Rat. Denn wenn ich einst herabsteige ins Haus des Hades, wüsst ich nicht, wie ich den Vater ansehn sollte, Und auch die arme Mutter. Für das, was ich den beiden grausam angetan hab, verdiene ich noch Schlimmers als gehängt zu werden!
Gäbe für die Laute, die durch die Ohren dringen es ein Schloss, ich hielt es nicht zurück, um meinen armen Leib damit vollends zu verschließen, Dass blind ich wär und taub.
Denn süß ist es, wo Denken abgeschieden ist von allen Übeln.
Io! Kithäron! O Polybos in Korinth, O ihr drei Wege! Du Wald und Winkel an der Gabelung! Oh, Ehe, Ehe!

Front zu.

ÖDIPUS
O mir! Wie sprech ich diesen an?
Welch Recht auf sein Vertrauen hätt ich noch?

KREON
Nicht als ein Spötter komme ich, Ödipus,
Noch um über das zu sprechen, was ich einst von dir erlitt.
Auch wenn ihr euch nicht schämt euch Sterblichen zu zeigen, so ehrt doch die lebensspendende Sonne, Zeichen des Gottes Helios!
So ein Unheil, dass weder der Erde, noch heiligen Regen noch dem Licht gefällt, darf man nicht unbedeckt zeigen.

ÖDIPUS
Bei Göttern! da du mir die Angst genommen,
Du, Bester, bist zum Schlechtesten gekommen,
Gewähre mir noch eins, zu deinem, nicht zu meinem Heil.

KREON
Was ist dein Wunsch, worum bittest du so sehr?

ÖDIPUS
Wirf aus dem Lande mich, so schnell du kannst,
Wo ich mit Menschen nicht mehr reden kann.

KREON
Schon wärs geschehn, glaube mir, wenn ich nicht erst vom Gott erfahren wollte, was am Besten zu tun sei.

ÖDIPUS
So wollt ihr um den schon verlornen Mann noch forschen?

KREON
Du wirst doch wohl dem Gott jetzt dein Vertrauen schenken?

ÖDIPUS
Gesegnet seiest du, und auf diesem Weg
mag dich ein Gott bewahren, besser als er mich bewahrte.
O Kinder, wo seid ihr? Beweinen muss ich euch, wenn ich eures bittren Lebens Rest gedenk.
In welchen Kreisen lassen euch die Bürger zu?
Zu welcher Feier, wo ihr weinend nicht
Nach Hause geht, statt mit den Festtagsreihen?
Doch wenn ihr nun zum Gipfel kommt der Hochzeit, wer wird es sein? Wer nimmt die Schmähungen auf sich, die so wie über meine Eltern auch über euch kommen?
Euren Großvater ermordete der Vater, die Mutter pflügte er, von der er selbst gesät war.
Und mit derselben zeugte er euch, von der er selber stammte. So wird man euch beschimpfen.
Ihr werdet jungfräulich vergehen und ohne Hochzeit.

KREON
Genug! Wozu bringt dich der Schmerz sonst noch?
Gehe nun hinein ins Haus!

ÖDIPUS
Folgen muss man dem Herrscher, wenn es auch keine Freude bringt.

KREON
Alles ist gut, zur rechten Zeit.

ÖDIPUS
Weißt du, was ich nun will?

KREON
Sprich es aus, dann weiß ich es.

ÖDIPUS
Sende mich fort aus der Heimat.

KREON
Das hängt vom Wort des Gottes ab.

ÖDIPUS
Doch bin ich verhasst den Göttern.

KREON
Darum erfüllt sich dein Wunsch sicher bald.

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