Text/2/5.Szene

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Text

ÖDIPUS
Nanu, hör ich recht, is das ein Gewitter gewesen mit einem lauten Donnerschlag? Oder war es etwas anderes?

ANTIGONE
Nee, das war schon Donner. Der Himmel hat sich für einen Moment verdunkelt.

ÖDIPUS
Und war das grade ein Blitz?

ANTIGONE
Nein, das waren Fackelträger.

ÖDIPUS
Ach was!

ANTIGONE
Sag mal, du kennst mich ja wohl lange genug, Vater - das war I-RO-NIE. Natürlich war das ein Blitz.

ÖDIPUS
Oh, dann rufen mich wohl die Götter zu sich in den Olymp. Geh doch mal bitte einer Theseus holen.

ANTIGONE
Aber Vater, was sprichst du da? Ein Blitz und du denkst, du stirbst?

ÖDIPUS
Nein, das war nicht nur ein Blitz, das war ein göttliches Zeichen. Immerhin hab auch ich ihn ja gesehen, bin ja eigentlich blind, schon vergessen?

ANTIGONE
Aber du kannst mich doch nicht allein lassen! Bin hier ewig mit dir umhergezogen und wo wir endlich mal Pause machen, stirbst du?

ÖDIPUS
Ja, äh... schon irgendwie... Jetzt sei still! Es ist göttlicher Wille!!!

Theseus kommt

THESEUS
Tach, alter Mann. Was ist los? Was ist zu tun? What can I do for you?

ÖDIPUS
Ich sterbe!

ANTIGONE
Er stirbt!

CHOR
Er stirbt.

ÖDIPUS
Ein göttlicher Blitz hat mir Bescheid gesagt - ich werde jetzt meine letzte Ruhestatt aufsuchen. Komm mit, Theseus und nur du. Tochter, du bleibst, das Folgende ist nicht für deine Augen bestimmt.

ANTIGONE
Aber Vater, ich will dabei sein, wenn du diese Welt verlässt.

ÖDIPUS
Nein, Tochter, du hast mich lange genug gestützt und begleitet, diesen letzten Weg aber muss ich alleine finden. Nur der König, der mich so gnadenvoll aufnahm, soll dabei sein.

ANTIGONE
Na gut, da kann man wohl nichts machen. Ich werde hier dem Kommendem harren. Aber vorher mach ich dich noch sauber, du hast da Dreck auf der Nase und Schokolade am Mund. So, nun kannst du ins Jenseits. Grüß meine und deine Mutter und die anderen Verwandten. Finde Frieden, Vater.

ÖDIPUS
Theseus, gehen wir! Vamos!

Ödipus und Theseus ab.

ANTIGONE
Ihr Götter, gebt meinem Vater Seelenheil. Eine Tafel Schokolade für dich, Poseidon, lass die Stürme in seinem Herzen zur Ruhe kommen. Eine Tafel Schokolade für dich, Zeus, zeig mit deinem Wetterleuchten Vater den rechten Weg. Und eine Tafel Schokolade für dich, Hades, gib meinem Vater einen guten Platz im Totenreich. Das wird ja wohl reichen, dass er gut durchkommt. Und nun versuche ich die Zeichen zu lesen, was die Götter für mich planen.

BOTE
Ihr Bürger Athens und du, des Ödipus' Tochter. Ich komme von unserem Herrscher, der mit dem alten Blinden mitging um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Ich bin ein bisschen gerannt, damit ihr es zuerst erfahrt. Hier also das wichtige: nachdem ihn Antigone noch einmal gründlich geputzt hat, ging Ödipus mit Theseus zu einem abgelegenen Ort. Dort herrschte Stille, eine gottgewollte, damit Nichts das, was dann geschah, störe. Dann wehte ein Wind, heftig und kurz. Zum Schluss ein Blitz, der einen Baum spaltete. Damit war klar, dass die Götter den Geschlagenen zu sich in Olymp holen wollen. Ödipus legt sich also hin, atmet seinen letzten Hauch aus. Dann aber legte sich ein Nebel und mit einem Mal ist sein Leib verschwunden. Ödipus ist jetzt ein göttliches Wesen, darum hält Theseus das Grab auch geheim. Jetzt ist er heilig und braucht einen Altar. Ich werde es in der Stadt erzählen, damit der Altar errichtet wird.

CHOR
Wir irrten uns. Auf den ersten Blick schien ein Vatermörder, der seine eigene Mutter beschmutzt hat, in unsere Stadt zu kommen, nun ist ein Segen hier eingekehrt, der uns beschützen wird. Ehre sei Ödipus und seinem Geschlecht.

ANTIGONE
Gegrüßet seist Du, Iokaste, voll der Gnade, du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes. Iokaste, die in uns den Glauben vermehre; die in uns die Zuversicht stärke; die in uns die Liebe entzünde. Heilige Iokaste, meine Mutter und die Mutter meines Vaters Ödipus, bitte für die Sünder, jetzt und in der Stunde des Todes.

CHOR
Amen! Ein gutes Wort sagtest du.

ANTIGONE
Weh! Ihr habt jetzt noch einen weiteren Altar, aber ich hab eben meinen Vater verloren. Und ich durfte nicht mal dabei sein, als er starb. Ich steh alleine hier, er ist im Olymp in göttlicher Gesellschaft. Ödipus, mein Vater, ist dem Fluch entronnen, aber ich lebe mit ihm weiter. Und meine Brüder, meine einzigen Verwandten, werden sich wohl bald gegenseitig töten, so wie Vater es prophezeit hat. Und ich muss ich die belagerte Stadt zurück, dort ist mein angetrautes Heim und mein Verlobter. Mein Weg ist düster, alle Verwandten verlier ich. Aber dem Schicksal und Götterwille kann man nicht entrinnen, wie man sieht. Hier, in Athen, der Ruhestätte meines Vaters, hab ich nichts mehr verloren, hier ist nur Verlust zu beklagen. Ich werde heimkehren, auch wenn mich da nur Tod erwarten wird!

CHOR
Und so geht sie hin. Ich hoffe, dass ihr Gutes geschehen wird. Eigentlich ist sie nämlich ein ganz nettes Mädel. Vielleicht hat sie sogar was gelernt.

ANTIGONE
Wenn ich einmal groß bin, werde ich Astronaut!

Antigone ab.

Exodos

CHOR
Wer, wie, was?
Der, die, das!
Wieso, weshalb, warum?
Wer nicht fragt, bleibt dumm!
Wer, wie, was?
Der, die, das!
Wieso, weshalb, warum?
Wer nicht fragt, bleibt dumm!
Ein paar schlimme Sachen,
die gab es heute hier zu sehen.
Manchmal muss man leiden,
um Dinge zu verstehen.

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