Text/2/Prolog
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Text
CHOR
Antigone und Ödipus die gingen durch den Wald
Es war so finster und auch so bitter kalt
Sie kamen an ne Lichtung mit einem schönen Stein
Wer mag der Herr wohl von dieser Lichtung sein?
Ödipus der setzt sich und ruht sich endlich aus
Antigone holt aus dem Korb ein feines Picknick raus
Da kommt schon ein Koloner mit zornigem Gesicht
Ausruhen und Picknicken, das darf man hier doch nicht!
Denn die Eumeniden, die Herrinnen im Wald
Werden sonst sehr böse, und machen euch noch kalt
Geht lieber wieder weiter, Kolonos ist nicht weit
Kommt schon, nicht so langsam, ich hab nicht so viel Zeit!
ÖDIPUS
Lass uns eine Rast einlegen, Antigone. Wir sind schon so lange gelaufen. Hier im Schatten der Bäume
können wir uns ein Weilchen setzen.
ANTIGONE
Ja Vater. Hier ist ein Stein, setz dich darauf und ruhe deine müden Füße aus. Kolonos kann nicht mehr
weit sein.
ÖDIPUS
Recht hast du, Kind. Doch ich höre Schritte. Kommt jemand des Wegs?
ANTIGONE
Ein Mann, von kleiner Statur, gewöhnlich sieht er aus.
MANN
Ihr! Leute! Was tut ihr da? Steht auf! Wisst ihr denn nicht, wo ihr hier seid? Oder seid ihr gar so
gottlos, dass es euch nicht schert?
ANTIGONE
Gottlos sind wir nicht, mein Herr. Doch sagt mir, warum zetert ihr so? Ist dies mehr als ein hübsches
Stückchen Wald, in dem sich ein müder Wanderer ausruhen kann?
MANN
Wald?!? Oh nein. Der heilige Hain der Eumeniden ist's! Ihr wisst es nicht? Wo kommt ihr her, dass ihr
so unwissend seid?
ANTIGONE
Weit gewandert sind wir, und haben wenig Kenntnis dieser Gegend. Wir wussten nicht, dass diese Stätte
heilig ist.
MANN
So steht ihr jetzt auf?
ÖDIPUS
Ich bin alt und habe müde Füße. In einer kleinen Weile werde ich den heiligen Ort verlassen. Doch
sagt mir, seid ihr aus Kolonos?
MANN
Dort bin ich her.
ÖDIPUS
Dem Kolonos, wo König Theseus herrscht?
MANN
Aus eben jenem.
ÖDIPUS
Man sagt, er sei ein weiser König, und gerecht.
MANN
Und auch die Milde seines Herzens ist uns Kolonern lieb. Hat er nicht Mitleid mit den Schwachen? Vergibt er nicht den Bösen? Jagt er nicht dennoch jene fort, die Kolonos bedrohen?
ÖDIPUS
Und ist Theseus gerade in der Stadt?
MANN
Das ist er wohl, ich hab ihn heute schon beim Tempel gesehen, wohin er Opfergaben brachte.
ÖDIPUS
Wohlan, den König muss ich sehen. Doch bin ich lange schon gereist, und meine Füße sind
außerordentlich müde. Ich sollte aufstehen, sagtet ihr?
MANN
Jawohl, denn sonst beschmutzt ihr diesen heiligen Ort.
ÖDIPUS
Nun denn. Seht meine Füße an, das Aufstehen fällt mir schwer. Lasst mich sitzen, bis der König kommt.
Denn ich muss ihn sehen, und auch er wird gerne mit mir sprechen wollen. Dann werde ich den heiligen
Ort verlassen.
MANN
So werde ich den König holen.
Parodos
CHOR
Wir, die Hüter dieser Stadt, ziehen hinauf zum heiligen Hain. Die Opfer brennen kaum, kein Licht leucht aus ihnen. Ein Frevel geht hier vor. In die Ruhe ist der Sturm gekehrt.
Heda, alter Mann, dieser Grund ist heilig. Eure dreckigen Füße beschmutzen ihn. Zieht von dannen, in der Stadt wird sich jemand um euch kümmern.
ÖDIPUS
Ihr alten Herren, ich bin gequält vom Schicksal und kann kaum mehr gehen, drum ruhe ich hier aus. Ein besorgter Bürger ist bereits zu eurem Herren unterwegs. Redet ihr nicht miteinander oder ist es euch nur unbekannt?
CHOR
Nichtsdestotrotz. Tretet zur Seite, Mann. Der Ort ist heilig.
ÖDIPUS
Nun gut, ich will die Götter nicht verärgern.
Ist es hier besser?
CHOR
A Quadrat... Ein wenig weiter noch.
ÖDIPUS
Hier?
CHOR
A Quadrat plus Be Quadrat - und noch einen Schritt nach vorn...
A Quadrat plus Be Quadrat gleich Zeh Quadrat. Einen halben zur Seite noch.
Ja, damit ist dem heiligen Pythagoras genüge getan. Dort könnt ihr stehen bleiben.
Doch sagt, vom Schicksal gequält seid ihr? Was für ein Verhängnis führt euch her?
ÖDIPUS
Aus Theben komme ich, vor meinem Verhängnis fliehend. Mit Blindheit geschlagen die Wirrungen der Eltern ertragend. Ein Fremder, mein Vater, tot durch meine Hand, meine Kinder meine Schwestern und Brüder.
CHOR
Sprecht weiter, was sagt ihr für wirres Zeug?
ÖDIPUS
Ich bin der geschlagene Ödipus, auf den ein unheilvolles Schicksal herabfuhr, der von den Göttern gestraft ist, der von den Menschen gemieden wird. Sicher habt ihr schon von mir gehört.
CHOR
IO! In unseren heiligen Hain kehrt ein Übel, das keiner von uns Alten je gesehen oder gar erlebt hat. Der Vatermörder und Beschmutzer des Bettes seiner Mutter ist hier eingekehrt. Ihr Götter, bewahrt uns vor Unheil!
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